Zalando Shitstorm–Schrei nach Verbesserung

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Am Mittwochabend gab es auf ZDFzoom einen Report über die Arbeitsbedingungen beim Internet-Versandhändler Zalando. Es wurden ausbeutereische Bedingungen vorgefunden, die auf der Facebook Seite von Zalando einen Sturm der Entrüstung entfachten.

Zugegeben, ein Freund von Zalando war ich noch nie. Zum einen gingen mir deren Werbespots auf die Nerven, zum anderen fand ich die Preise der Artikel überhaupt nicht so schreiwürdig günstig, wie es uns die Werbung vorgaukeln möchte. Aber mit radikaler Präsenz auf allen Kanälen hat das ja mit “Geiz ist Geil” schon geklappt. Irgendwann glauben die Leute den Werbeversprechen und kaufen drauf los.

Gestern gab es dann wohl auf ZDFzoom eine Reportage über die Arbeitsbedingungen bei Zalando, oder besser gesagt einem angeblichen Partnerunternehmen, wie Zalando auf Facebook später klarstellte. Die Leute arbeiten für einen Mini-Stundenlohn von 7,01 Euro, haben keinerlei Sitzmöglichkeiten und arbeiten unter permanenter Überwachung. Für hunderte von Arbeitern stand nur ein verschmutzter Toiletten-Container zur Verfügung. Und so was in Deutschland, dem Land der Vorschriften, Auflagen und Überwachungen.

Zalando gibt monatlich hohe Millionensummen für die aggressive Werbung aus. Da bleibt nichts mehr für die Mitarbeiter übrig, oder man hat einfach nichts für die Mitarbeiter übrig. Das kann man sehen wie man will.

Kurz nach der Ausstrahlung ergoss sich ein wahrer Shitstorm auf der Facebook Seite von Zalando. Wieder einmal ist es erstaunlich, wie schnell sich solche Themen auf den sozialen Plattformen verbreiten.

Die Stellungnahme von Zalando ließ dann auch einige Stunden auf sich warten und versuchte sich in Einsicht:

Natürlich haben auch wir den Bericht im ZDF-Magazin Zoom verfolgt. Vielen Dank für Euer kritisches Feedback – das ist uns wichtig und trägt dazu bei, dass wir uns immer wieder hinterfragen und verbessern. Wir freuen uns, dass Ihr Euch mit solchen Themen auseinandersetzt und uns in die Verantwortung nehmt.” Und dann mit Blick auf die Vorwürfe: “Zalando ist sich seiner Verantwortung für jeden einzelnen Mitarbeiter, egal ob direkt oder indirekt beschäftigt, bewusst. Die Eindrücke der Dokumentation spiegeln aus unserer Sicht nicht die Arbeitsatmosphäre in den Zalando-Standorten wieder. Leider ist uns jedoch bewusst geworden, dass wir auf unsere Dienstleister deutlich mehr Einfluss nehmen müssen. Im Fall von unserem Lager in Großbeeren arbeitet Zalando mit einem Partner zusammen, der größtenteils für das Personal und für die Prozesse im Lager verantwortlich ist. Diesen Partner werden wir stark prüfen und noch regelmäßiger kontrollieren, damit es zu keinen Missständen mehr kommen kann. (…) Außerdem werden wir zukünftig noch stärker darauf achten, dass alle unsere Partner die von uns gesetzten Sozialstandards einhalten. Die Mitarbeiter, die Ihr in dem Beitrag gesehen habt, waren alle keine Zalando Mitarbeiter sondern für unseren Dienstleister tätig. Aber wir müssen auch hier für die Angleichung aller Standards Sorge tragen und werden dies auch aktiv tun.”

Erst vor kurzem wurde von ähnlichen Verhältnissen bei Amazon berichtet, was aber schnell wieder in der Versenkung verschwand. Jetzt nun also Zalando. So langsam sollte jeder begreifen, das ein solcher Erfolg zumeist auf den Rücken der Mitarbeiter erreicht wird.

Solche Reportagen machen mir die Versandhändler nicht unbedingt sympathischer.

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